Presse 2003       [zurück]

Stuttgart, 9. Dezember 2002

Heinz Fütterer machte als „weißer Blitz“
aus Karlsruhe Schlagzeilen über 100 Meter

Stuttgart – Sie stehen im Mittelpunkt der Leichtathletik – die Sprinter, die schnellen Männer über 100 Meter. Die deutsche Leichtathletikszene hatte da in der Vergangenheit einige große Sportler zu bieten: Manfred Germar, Martin Lauer, Armin Hary oder Heinz Fütterer. Der heute 71-jährige Illinger war Deutscher Meister, Europameister, Olympiateilnehmer und Weltrekordler über 100 Meter und 4 x 100 Meter.

Bereits als 17-Jähriger lief Fütterer bei seinen ersten Wettkämpfen der Konkurrenz auf und davon. „Barfuß sind wir damals noch gelaufen, denn für Turnschuhe hatten wir kein Geld“, erzählte er in einem seiner vielen Interviews. Sein Sprinttalent hatte Robert Suhr entdeckt, der ihm auch eine Anstellung beim Energieversorgungs-Unternehmen Badenwerk ver-schaffte. So war die Basis für die sportliche Laufbahn und die damit verbundene kaufmännische Ausbildung ideal verknüpft. Bald bekam der 1,71 Meter große Sprinter mit dem blondgewellten Haar seine ersten Spikes. „Das war damals schon eine Sensation: Schuhe mit Nägeln“. Und nicht nur das: Der Sprinter entwickelt später seinen „Heinz Fütterer-Rennschuh“.

Seinen ersten Deutschen Meistertitel über 100 m holte sich der Sprinter mit 19 Jahren. Es folgten vier Einzel- und ein Staffeltitel. Auch im Weitsprung setzte Fütterer ein Zeichen. 7,43 Meter – eine starke Leistung. Ein begeisterter Weitspringer wurde er dennoch nicht. „Das war nichts für mich, untätig zuzusehen, was die Konkurrenten machen. Ich brauchte die Konfrontation Mann gegen Mann im Sprint“, erzählte er von damals. Seine sportliche Heimat fand der Illinger beim Karlsruher Sportclub, dem er ein Leben lang die Treue hielt.

1954 – das war sein Jahr. In Bern wurde er Doppel-Europameister über 100 und 200 Meter. Und dann folgte auf der Aschenbahn in Yokohama mit 10,2 Sekunden der 100-Meter-Weltrekord.
Als Fütterer bei einem Sportfest in Paris vier schwarze Amerikaner bezwang, formulierte der französische Journalist Gaston Meyer: „Und Fütterer zuckte durch die Halle wie ein weißer Blitz." Das war fortan sein Markenzeichen. Der kraftvolle Sprinter aus dem Badischen war so populär, da konnten selbst die Fußball-Weltmeister um Sepp Herberger nicht mithalten. 1954 wurde er zum „Sportler des Jahres“ gewählt, vor dem inzwischen verstorbenen Fritz Walter.

Kein Glück hatte der Karlsruher bei den Olympischen Spielen. Für Helsinki war Fütterer 1952 zwar qualifiziert, eine Verletzung stoppte aber einen Start. Vier Jahre später war er froh, dass er nach einem Muskelfaserriss noch den Sprung zu den Spielen von Melbourne schaffte. Doch die gute Form war dahin, und die bronzene Medaille in der Sprintstaffel nur ein schwacher Trost. Fütterer denkt gerne an die erlebnisreiche Aktivenzeit zurück. So, als ihn die 50.000 Zuschauer beim legendären Augsburger Länderkampf gegen die Sowjetunion feierten. „Das ist wie ein Strom durch mich gegangen, eine unbekannte Kraft.“ 1958 erhielt Heinz Fütterer den Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis, die höchste Ehrung die der Deutsche Leichtathletik-Verband zu vergeben hat.
 
 





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